Warum verhält sich die/der andere so abweisend und verletzend?

Mir ist aufgefallen, dass in den Beratungsgesprächen immer wieder die gleichen Themen auftauchen. Hier möchte ich sie als kleines Erste-Hilfe-Paket zusammenstellen, um Euch bei Euren Trennungsschmerzen oder Beziehungsproblemen zu helfen. Wem das noch nicht reicht oder wer nicht selbständig aus dem tiefen Tal der Tränen herausfindet, möchte ich raten (und anbieten), sich professionelle Hilfe bei mir als Coach oder eine/m anderen psychologischen Berater(in) oder Coach zu holen.

Der/die andere verhält sich verletzend bzw. abweisend!

Was steckt dahinter? Manchmal erleben wir das Verhalten anderer als unglaublich verletzend, selbstsüchtig und abweisend. Dabei ist unser eigenes Verhalten immer korrekt und in Ordnung … ok, fast immer. Unser Verhalten wird sehr stark von unseren Emotionen und weniger stark von unserer Vernunft beeinflusst. Besonders in emotional stark aufgeladenen Situationen und in Momenten, in denen wir emotionalen oder seelischen Schaden nehmen könnten, übernimmt häufig der Teil unseres Gehirns die Kontrolle, der für das Überleben zuständig ist. Dabei geht es im Besonderen darum, dass das Gehirn versucht Schaden bzw. unangenehme Gefühle zu vermeiden. Es ist also eine Art Selbstschutz.

Beobachten wir also bei anderen ein Verhalten, dass wir nicht verstehen oder sogar als verletzend wahrnehmen, handelt es sich oft um ein Schutzverhalten, um unangenehme Gefühle oder Situationen zu vermeiden. Das klingt besonders dann irrational, wenn doch eine noch unangenehmere Situation irgendwann später abzusehen ist. Hier ist wichtig zu verstehen, dass Entscheidungen immer im Jetzt getroffen werden. Was ist jetzt wichtig, was tut mir jetzt gut, was schützt mich jetzt vor dieser akuten Gefahr?

Eine besonders große Kraft geht von der Emotion Scham aus. Wenn man nach einem Streit oder einer Trennung jemandem ins Gesicht schauen soll und seine eigene Verletztheit und Verletzlichkeit offenbaren müsste, genau dann also, wenn das Schamgefühl am stärksten ist, dann schalten sich die Schutzmechanismen ein, die uns vor diesem unangenehmen Gefühl schützen sollen. Das Verhalten, dass daraufhin gezeigt wird, hat viele Gesichter. Einige werden abweisend, aggressiv; andere reagieren mit Schuldzuweisungen und Trauer. Wieder andere (und das ist ein trauriges Phänomen dieser Zeit) verschwinden einfach. Sogenanntes Ghosting beobachten wir immer häufiger. Bis gestern haben wir noch einen tollen Kontakt, dann plötzlich gehen meine Anrufe ins Leere, die Nachrichten werden geblockt, ich weiß nicht was los ist. Eine Klientin berichtete, dass sie jemanden geblockt hatte, weil sie einfach nicht wusste, wie sie ihm sagen soll, dass sie kein weiteres Interesse an ihm hat. Sie hatte schlicht und ergreifend Angst davor, weil sie es nicht gelernt hatte, solche unangenehmen Gespräche zu führen. Also hat sie sich versteckt, in der Hoffnung und Annahme, das wird schon irgendwie vorbeigehen.

Das Verhalten, was wir erleben, dient häufig dem Schutz vor unangenehmen Gefühlen.

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